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Ben

KUALA LUMPUR – MY PEOPLE ARE THE MISFITS

Ich war faul und ich bin nicht in die Gänge gekommen! Ich habe mir eine Stadt angeschaut, mich von ihr verdauen und wieder auskotzen lassen. Ich habe mich von dem Hass der einen und der Freude der anderen inspirieren lassen. Ich habe meine Kreativität wieder gefunden.

Fragt man eine einem noch unbekannte Person nach seiner Meinung so bekommt man entweder Zweifel oder Beifall. Es ist ein Spiel! Das Spiel der Ehrlichkeit. Wie ein Tanz für den es keine Regeln gibt. Man dreht sich, bewaffnet mit Schwert und Schild, im Kreis um einen Punkt den man selbst definiert. Mal näher, mal weiter. Wie weit geht sie um sich selbst nicht angreifbar zu machen? Wie viel steht ihr zur Verfügung? Kann sie folgen? Kann ich folgen?

Hinten im Hof werden wir aufgenommen. Zwischen denen die nicht rein passen, den Vergessenen – den „Misfits“. Es ist ein rauer Ort an dem man sich zurecht finden muss. Die Sitten sind hart und der Mantel des Schweigens legt sich jeden Morgen über das kleine Floloch. Wir kommen nach 00:00 Uhr an. Das bedeutet dass “Maciek” seine Nachtschicht bereits begonnen hat und im Hof der Alkohol in Strömen fliesst. In der Lobby wird der Fernsehsender HBO geschaut, irgendein Hollywood Streifen mit schnellen Autos und schönen Frauen, wir zeigen kein Interesse. Wir lassen uns ein Doppelzimmer geben und legen ab. Indonesien liegt hinter uns, Malaysia vor uns. Wir wissen nicht viel über seine Hauptstadt mit der Abkürzung KL.

Noch etwas verwirrt stehen wir im Licht der Neonleuchten des Hofs. Die letzten Wochen hatten wir unsere Batterien aufgeladen und können nun mit neuem Mut nach vorne sehen. Ein sturzbetrunkener Amerikaner begrüsst mich mit einer herzlichen Umarmung und den Worten: “Not another fucking German…“ Ich schliesse ihn in mein Herz. Neben ihm sitzt ein freundlich wirkender Rotschopf auf dem Boden, er ist nicht weniger betrunken. Ich glaube er ist Engländer. Aus einer Ecke dringt ein bekanntes Lachen zu mir rüber. Tony! Konstantin sitzt neben ihm und grinst als er uns erblickt. Beide sind darauf vorbereitet uns zu sehen – wir hatten uns hierfür verabredet. Ihnen gegenüber sitzen Clarent und Kevin, zwei Deutsche die sich ebenfalls für KL verabredet haben. Kevin reiste bereits ein Jahr in der Welt umher als Clarent beschloss ihn für 16 Tage in KL zu besuchen. Nun, die folgenden Dinge haben sich in denen von ihm gebuchten 2 Wochen Urlaub zugetragen. Da ich natürlich nicht dabei war sondern dies nur von ihm erzählt bekommen habe versuche ich das ganze in meinen Worten bestmöglich wiederzugeben.

Kevin und Clarent gingen eines Abends in Kuala Lumpur auf die Strasse um eine Bar zu finden wo sie sich dem Alkohol und den Erzählungen unter Freunden hingeben könnten. Eine solche Bar fanden sie vor und begannen ihren Abend unter Freunden. Ein ortsansässiger lud beide zu einem Drink ein, und da man solch ein Geschenk nicht ausschlägt tranken sie. Dies war dann auch das letzte an was sich beide an diesem Abend noch erinnern konnten. Kevin wachte in seinem Bett im Hostel auf. Clarent wachte im Gefängnis von Kuala Lumpur auf. Sein mit blauen Flecken übersäter Körper versuchte ihm zu erklären was passiert war – Clarent verstand aber nicht. Er saß in einer Zelle mit anderen teils Touristen, teils Studenten, teils ganz normale „Menschen”. Keiner der Wärter sprach mit ihm – alles wurde ihm zuvor abgenommen. Man muss dazu sagen: Die Polizei geht hier teilweise ihren eigenen Weg wenn es um Regeln geht… In der Zellenwand gab es ein Loch aus dem etwas (Trink)Wasser tropfte, und die Notdurft musste in einem anderen Loch in der Ecke des Raumes verrichtet werden. Es stank bestialisch. Fenster und Betten waren keine vorhanden – nur Zementboden. Das Licht wurde über Nacht angelassen und zu essen gab es eine Hand voll Reis. Clarent bezeichnet es heute als “die schlimmste Zeit seines Lebens.“

Er durfte lediglich einen Anruf tätigen (für umgerechnet stolze 120€) und rief seine Eltern an – diese informierten Kevin im Hostel und der die Botschaft, was laut Clarent wohl dann auch der Grund war warum er letztlich so lange einsitzen musste. Denn hätte jemand die korrupten Polizisten von Anfang an einfach mit der geforderten Kaution geschmiert wäre er nach einigen Stunden wieder auf freiem Fuß gewesen. Doch durch die Botschaft (welche laut Kevin nicht einmal einen Finger rühren wollte!) wurde alles noch verschlimmert. Zu Ende wurden 1000€ gezahlt und Clarent kam nach 10 Tagen Gefängnis in Malaysia frei. Beide vermuten heute dass ihnen KO-Tropfen untergemischt wurde – leider eine gängige Methode um hier Touristen auszurauben und abzuziehen.

Wer gerne die komplette Geschichte lesen möchte muss sich zwar noch etwas gedulden, wird sie aber zu lesen bekommen! Clarent schreibt gerade an einem Buch über diese Tage. Wir werden es bei Fertigstellung dann umgehend bewerben.

Doch weiter mit Kuala Lumpur. Wir schauen uns also die Sehenswürdigkeiten an, die Türme zu Petronas. Wir speisen zum ersten mal seit 6 Monaten wieder ein Deutsches Gericht in einem Restaurant – im “Black Forest”. Haltet uns für verrückt, aber nach Monaten Nasi und Mi Goreng haben wir uns gesehnt und uns Spätz(e)le mit German Gulasch bestellt, und siehe da: es war nicht mal so schlecht! Aber natürlich nicht zu vergleichen mit dem von Sarahs Mutter!

Und Samstags? Samstags herrscht immer ein Riesenkrach am indischen Tempel vorn an der Ecke. Es wird ordentlich Krach mit Tröten gemacht, getrommelt, geflochtene Blumenkränze gebracht und gebetet. Die Armen warten vor dem Tempel ruhig und geduldig mit offenen Händen. Manche können das Spektakel leider nicht  komplett verfolgen – ihnen fehlen teilweise Augen oder andere Sinnesorgane. Doch jeder gibt ihnen etwas Geld! Und später wird gemeinsam gegessen.

Kuala Lumpur du bist so voller Respekt für alle Menschen. Vielleicht bist du nur eine weiter Großstadt von vielen, doch selten habe ich in einer solchen so viele unterschiedliche Kulturen so nah beieinander leben sehen. Für den ein oder anderen mag es ist vielleicht nichts besonderes sein – mir gibt es allerdings ein Gefühl von Sicherheit zu wissen: Du darfst machen….

Die Tage ziehen ins Land – es ist schwer loszulassen von diesem Ort – dem “Step Inn” und seinen Gästen. Es bildet sich mehr und mehr eine kleine Familie mit neuen Freunden. Das Step Inn schmeißt kostenfreie Grillabende, wir schreiben Lieder, wir singen – es ist wahrlich ein Fest! Heute vermisse Ich diesen Ort muss ich zugeben! Doch nach 1,5 Wochen Großstadt sind wir erstmal fertig und beschliessen weiter zu reisen – wir brauchen wieder eine etwas ruhigere Umgebung. Und so wird es eine Stadt südlich von Kuala Lumpur die stark von ehemaligen Besatzungsmächten geprägt wurde. Malakka. Engländer, Portugiesen und Holländer – jeder durfte mal – und das sieht, schmeckt und spürt man! Konstantin und Tony begleiten uns – es ist uns wie immer eine Ehre!

Anm. d. Red.
Unsere Beiträge kommen in diesen Tagen leider etwas versetzt da wir mittlerweile in Myanmar sind. Hier ist das Internet zwar konstant – allerdings auch konstant schlecht…
Aber nun kommen sie!!

2 Kommentare on "KUALA LUMPUR – MY PEOPLE ARE THE MISFITS"

  • Hallo zusammen,
    lange nichts neues mehr gelesen, gibt es euch noch ?
    Viele Grüße
    Dietmar

    :-)

  • Die Towers sind ja gewaltig. Ich hoffe ihr habt euch einen Blick von oben gegönnt!? Da seid ihr ja gewaltig in die, so hoffe ich, Funebene “eingetaucht” nach der entspannten Zeit davor! Abwechslung macht eben doch Spaß!! Weitermachen!!

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