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COSMOS BUNGALOWS – INDONESIEN



Während den ersten beiden Tagen in Bara Beach im Süden Sulawesis merkten wir erst wie uns die letzten 5 Monate Reise ausgelaugt hatten – Akkustand 1%.

„COSMOS“ der Namen unserer Unterkunft. 5 Bungalows in Hanglage mit Blick auf das kristallklare Meer und das vorgelagerte Riff, weisser Puderzuckerstrand und fast immer menschenleer.

Jordan und Amy, zwei Reisende aus England, haben hier einen Ort der Stille und Harmonie erschaffen. Hier steckt die Liebe im Detail und sie geht auch durch den Magen. Unsere 4 guten Feen zauberten uns täglich die leckersten indonesischen Gerichte und die wöchentlichen BBQs liessen keine Wünsche offen. Doch hier hat man nicht nur viel Gespür für Gäste, die zwei haben auch ein ganz besonders grosses Herz für Tiere. Da wären die zwei Haushunde Cally und Rocky und eine ganze Katzenbande. Fast alle wurden auf der Strasse aufgelesen, liebevoll aufgepeppelt und haben im Cosmos ein neues zu Hause gefunden. Einen Tierarzt gibt es vor Ort nicht, aber die zwei haben sich mit ihrer Tierfürsorge einen grossen Namen in der Umgebung gemacht und wurden zur Anlaufstelle für Jedermann.
Wir verlängerten gesamt 4 Mal und haben letztendlich fast einen ganzen Monat in Jordan’s Paradies verbracht.

Doch das Leben hier ist ganz bestimmt nicht immer einfach, vor allem wenn man als Weisser ein Business starten möchte. Wie auch auf Bali gehört auch hier eine gewisse Korruption unter Polizisten und Regierungsangestellten zum täglichen Leben. Doch Jordan und auch wir sind davon überzeugt, wenn man den Menschen stets mit Respekt, freundlich und kooperativ gegenüber in Erscheinung tritt wird sich dieses Problem irgendwann von ganz alleine verflüchtigen.

Sulwasei ist nicht nur weisser Sandstrand, Schnorchel- und Taucherparadies. Sulawesi ist auch Kultur und Natur. Direkt neben und hinter uns befand sich wilder Dschungel und seine Bewohner sind wahrlich nicht immer die schönsten und angenehmsten Zeitgenossen. Ein paar Wochen bevor wir ankamen musste es Jordan mit einer 2,5 m Python aufnehmen. Sie hatte die Babykatzen gerochen und sich eines davon geschnappt. Jordan konnte das Kätzchen leider nicht mehr retten, hatte einen Biss abbekommen (Python – nicht giftig!) und gewann den Kampf schliesslich indem es ihm gelang das Tier erst gegen die Wand zu hämmern und dann über das Geländer in die Tiefe zu schleudern. Ein paar Tage später stellte er dann zudem fest dass ihr Zahn noch in seiner Hand steckte…

Eine 2,5 m Python kann euch nicht schocken? O.K. dann müssen wir auch mitteilen es geht noch grösser. Im Hafen von Bira hatte sich vor ca. 5 Wochen eine 5 m lange Python verirrt. So eine Schlange verschlingt problemlos einen Menschen – wir möchten ihr auf jeden Fall nicht begegnen. Doch die Bewohner hier kennen in solchen Situationen keine Gnade. Sie wurde ausgeräuchert.

Auch wir haben selbstverständlich unsere ganz persönlichen Schlangenerfahrungen gesammelt. Die Erste war im Meer. „Wasserschlange“. Sie war noch klein und schwamm direkt auf Ben zu, ich sah sie, warnte ihn und wir entfernten uns langsam. Wasserschlangen sind scheiss giftig und absolut tödlich, vor allem dann wenn das nächste Krankenhaus eine gute Stunde entfernt ist. Wie sich jedoch herausstellte ist diese Sorte zum Glück ziemlich bissfaul. Auch andere begegneten diesem schwarzweiss gestreiften Killeraal beim Schnorcheln oder Strandspaziergang, passiert ist aber glücklicherweise noch nie was.
Unsere zweite Schlangenerfahrung spielte sich dann in unserem Bungalow ab. Da lagen wir ganz entspannt auf dem Bett und arbeiteten, da sagt Ben (komischerweise ganz ruhig und entspannt) „Oh, scheisse – Schlange!“. Im ersten Moment dachte ich wirklich das ist ein Witz, als ich sie dann im zweiten Moment sah fand ich es gar nicht mehr so witzig. Braun! Länge ca. 1 Meter! Wir standen im Bett (wie im Film), sie zischte Richtung Tür über die Rucksäcke. Wir hofften sie würde direkt wieder unseren Bungalow verlassen. Naja, dem war dann nicht so, denn sie sah uns, machte kehrt und versteckte sich unter Ben’s Rucksack. Also beschlossen wir den Bungalow erst mal zu verlassen. Mit vereinigten Kräften scheuchten wir sie anschliessend raus, waren uns jedoch nicht wirklich sicher ob sie auch wirklich draussen ist, denn keiner sah sie so wirklich flüchten. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, in der folgenden Nacht hatten wir keinen so besonders guten Schlaf. Doch das alles darf man nicht so ernst nehmen, denn all das ist Teil der Natur, dem Kreislauf, wie auch wir es sind.

Eines Morgens gab es dann plötzlich Familienzuwachs. Ein kleines rot-weiss getigertes Babykätzchen. Ein Gast hatte es in der Nacht zuvor auf der Strasse im Graben aufgelesen und mitgebracht. Der kleine bestand nur noch aus Haut und Knochen und eines seiner Augen hing aus der Höhle. Jordan fragte uns ob wir ihm einen Namen geben möchten und vielleicht die Patenschaft übernehmen möchten. Klar – was für eine Frage!! Wir tauften ihn Phoenix und der kleine verbrachten den ganzen Nachmittag in unserer Obhut. Er bekam Liebe, Wärme, Medizin und abends noch eine Kleinigkeit zu essen. Jordan nahm ihn über Nacht mit und wollte uns Phoenix am nächsten Morgen bringen, damit er sich der Arbeit widmen kann. Am nächsten Morgen klopfte Jordan um 06:30 Uhr an unsere Tür, mit dem kleinen Phoenix in seinen Händen. Phoenix war dabei zu sterben und Jordan wollte das wir uns von ihm verabschieden können. Noch nie hatten wir ein Tier sterben sehen. Sein verzweifeltes nach Luft ringen hat uns das Herz zerrissen. Die Jungs versuchten Phoenix noch etwas Antibiotikum zu verabreichen, doch er wollte gehen. Nach einer halben Stunde Kampf, starb Phoenix in Ben’s Händen. Wir hatten alle Tränen in den Augen, auch wenn keiner ihnen ihren Lauf geben lassen wollte. Wir beerdigten ihn am Strand, zündeten eine Kerze an und beobachteten wie die kommende Flut seine kleine Seele in der Weite des Meeres seine ewige Ruhe finden würde.

Doch das Leben kennt keine Gnade und marschiert weiter. Und so haben wir wieder schöne Abende mit wundervollen Menschen verbracht, ein neues Kartenspiel gelernt, viel gearbeitet und neue Energie getankt. Wir haben Jordan und seine Mädels sehr in unser Herz geschlossen und haben hier für einen Monat ein zu Hause gefunden.

Wir bereuen nicht dass wir uns nicht noch mehr von Sulawesi angesehen haben, denn schliesslich muss man, vor allem wenn man es kann, jeden Tag seines Lebens so gestalten wie man es möchte. Und wir haben die Ruhe gebraucht!

Mit dem Shared-Taxi ging es schliesslich zurück nach Makassar. Dort verabschiedeten wir uns am Abend noch von der Makassar-Community. Leider wurde unsere Stimmung etwas getrübt nachdem wir feststellten dass unsere Kreditkartendaten geklont wurden und wir 1600,- Euro leichter sind. Aber alles nicht so schlimm, denn so wie es aussieht haben wir gute Chancen das Geld rückerstattet zu bekommen. Die Bank ist ja versichert und an deiner Seite. Zumindest manchmal… ;)

Am nächsten Tag ging unser Flieger mit einer Stunde Verspätung nach Kuala Lumpur auch KL genannt und unsere 60 Tage Visa in Indonesien fanden ihr Ende.

 

Was wir aus Indonesien mitnehmen?
Es gibt um genau zu sein 17508 Gründe um nach Indonesien zurück zu kehren. Wir hatten eine wundervolle Zeit und es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Jede Inseln hat ihren ganz eigenen Charakter wie auch ihre Bewohner. Die Menschen haben nicht viel, meist ist ihr Leben auf die Befriedung der Grundbedürfnisse beschränkt doch ihre Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Lebensfreude kennt keine Grenzen. Die Menschen lachen und strahlen den ganzen Tag und wir haben nie streitende Kinder gesehen, stets hatten sie miteinander ihre Freude und respektierten sich.

Sehr oft haben wir uns gefragt wie können so viele Menschen hier überhaupt überleben? Denn meist gibt es in einer Strasse immer nur eine Art von Geschäft und jeder verkauft das Gleiche. Vor allem auf Touristeninseln wie Bali, haben die Verkäufer noch nicht verstanden, dass man vielleicht mehr verkaufen würde wenn mann den Kunden nicht permanent bedrängt. Doch ich denke am Ende hat auch das einfach nur mit ihrem täglichen Kampf ums Überleben zu tun.

Zum Thema Müll sollte jedoch in naher Zukunft wirklich etwas geschehen. Es wundert uns sehr dass sich hierfür die Regierung noch nicht stark macht. Ich glaube das erste Mal haben wir eine Müllabfuhr in Sulawesi’s Hauptstadt Makassar gesehen. Klar produzieren auch wir in Deutschland Unmengen an Müll wir sehen ihn nur nicht überall herumliegen und es ist klar was mit ihm geschieht. In Indonesien wird einfach alles auf die Strasse, aus dem Auto, in den Fluss oder in den Graben neben dem Haus geworfen. Die Strände und das Meer sind ebenfalls voll davon und von geniessen kann man oftmals nicht mehr sprechen. Doch immer mehr Jugendliche bekommen die Chance auf Bildung und ich denke mit ihr kommt irgendwann auch ein neues Bewusstsein und der Wandel.

Was sich uns ebenfalls eingebrannt hat ist das Überleben im chaotischen Strassenverkehr. Es wird in jeder Situation gehupt. Manchmal aus einem Grund, manchmal einfach so.
Hier ein paar Beispiele:

Hund, Katze, Kuh, Huhn, Hahn, Kind, Mann, Frau verschwinde von der Strasse!
Rollerfahrer bleib wo du bist – jetzt komme ich!
Ich überhole jetzt!
Ich fahre nun in die Kurve!
Ich fahre nun aus der Kurve!
Hallo!
Tschüss!
Wir sehn uns!
Du kannst mich überholen!
Ich hupe weil ich schon lange nicht mehr gehupt habe!
Das Wetter ist gut!
Es ist grün!

Idiot!

…. etc. etc. etc.

Bis dahin können wir also mit Recht sagen: Danke Indonesien für die tolle Zeit!

Terima kasih Indonesia

1 Kommentar on "COSMOS BUNGALOWS – INDONESIEN

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  • Hallo ihr Beiden, die 17508 Gründe möchte ich dann schon noch mal im Detail dargestellt bekommen ;-)
    Ansonsten war es, doch mal nötig, dass “ein wenig Ruhe” in euren Trip gekommen ist. Abgesehen, bis auf die Haus- und Wasserschlangen, war es wohl eine sehr schöne und entspannte Zeit, die euch gut getan hat.
    Das mit der “Kreditkartenabzocke” wird für euch, denke und hoffe ich wohl gut ausgehen. Es zeigt sich wieder mal, man kann nicht vorsichtig genug sein und sollte wohl jeden Tag mal das Konto checken.
    Sarah, guckst Du mal auf Skype?!
    Ansonsten “weitermachen” bin gespannt was ihr als nächstes erleben dürft!

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