DSC04611
Ben

Makassar – Courage. Action. Change

Nach der Ruhe und Stille der Gili Inseln ist die Hauptstadt Sulawesis mit ihren staubigen und lauten Strassen, mit den hupende Autos das reinste Kontrastprogramm. Ein Kontrast als säße man als FC Bayern Fan auf einmal am Millerntor bei einem St. Pauli Spiel…!

Zum erst zweiten Mal in meinem Leben fliege ich mit einer Propellermaschine.

Wir mieten uns im Hotel Istana ein und merken recht schnell – das wird ein Abenteuer!
Ein Hotel dass den Anschein macht einst glorreiche Zeiten erlebt zu haben jedoch irgendwann spontan den Anschluss verloren hat. Holzvertäfelungen an den Wänden und ein prunkvoller Versammlungssaal im obersten Stock, bei dem jedoch schon reichlich die Decke herab hängt. Durch die milchige Glastüre macht es den Anschein dass die letzte Sitzung abrupt beendet werden musste. Überall liegen umgeworfene Stühle, Wassergläser und runter gerissene Gardinen – alles ist überzogen mit Staub. Ein reichlich bizarres Blid – ein kurzer Einblick in eine andere Kultur.

Diesen Einblick hatte ich auch bereits am Abend zuvor an der Hafenpromenade erhalten als ich einen kurzen Spaziergang machte. Erst wurde ich von allerlei Augenpaaren nur skeptisch beobachtet, dann fingen die grossen und kleinen Menschen an zu tuscheln bis sich der erste dann traute mich anzusprechen. „Hello Mister! One photo please!?“ Da dies weniger wie eine Frage als eine Aufforderung zum Tanz klang stimmte ich wohlwollend zu und grinste in Richtung der Handykamera. Und plötzlich ging es los. Das Eis schien gebrochen und überall begannen die Menschen ihre Handys zu zücken. An dieser Stelle: Will man sich einmal in seinem Leben wie ein Rockstar fühlen, so gehe man bitte an einem frühen Abend in Sulawesi am Hafen spazieren. Das ganze ging sogar so weit dass ich zum Teil überhaupt nicht mehr gefragt wurde und einfach hin und her gerissen wurde um mit einem harschen „Photo” zum Grinsen aufgefordert wurde… Allzu oft kann man sowas nicht mit machen!
Es strengt ziemlich an…

Eine Gruppe Jugendliche wurde ebenfalls aufmerksam. Mit den Worten “you are so handsome, please come over“ war ich zwar erst etwas skeptisch wurde dann aber umgehend darum gebeten eines ihrer, offenbar selbst designten, T-Shirts überzustreifen um gleich für eine ganze Reihe Fotos zu posieren. Dann das nächste T-Shirt und das ganze ging von vorn los. Es schien so als habe man in Indonesien noch nie einen weissen Mann mit Bart gesehen! Ich wollte die Bilder noch kurz sehen, bekam dann aber versichert sie am nächsten Tag via “social network” zu Gesicht zu bekommen. Mit einem leichten Grinsen und zwei T-Shirts im Gepäck machte ich mich auf in Richtung meiner Frau. Das musste ich berichten.

Der erste Morgen im Hotel begann bereits um 05:30 Uhr. Erst langsam dann voller Inbrunst.
Man muss an dieser Stelle erwähnen: Sulawesi ist nahezu komplett muslimisch.
Die Lautsprecher der etwa 100 Meter entfernten Moschee gaben alles! Und wir gaben alles noch ein bisschen Schlaf zu finden. Es funktionierte, wenn auch erst nach einer Dreiviertel Stunde.

Gegen Mittag bekam ich dann Nachricht im sozialen Netzwerk. Man wolle uns nochmal treffen und dann einigen Menschen vorstellen. Wir würden um 19 Uhr mit den Rollern abgeholt und dann zum „Treffpunkt“ gebracht werden. Ich erinnere mich noch an den letzten Satz in der Nachricht: „Are you ready for an adventure?“ Wir schickten die Antwort…

Zu meiner Schande muss ich gestehen dass ich nicht sagen konnte ob die beiden Jungs, bei denen wir hinten auf den Rollern saßen, gestern Abend auch schon am Hafen waren oder ob das nun komplett andere Menschen sind. Sarah saß bei Bebhen, von dem ich die Nachricht erhalten hatte, hinten mit drauf – mein Fahrer hieß Abrar. Wir fuhren los. Durch Makassar – bei Nacht. Über Brücken, unzählige Kreuzungen, durch wahllose Gassen und hielten kurz darauf bei einem Freund der beiden, der, wie sich später rausstellen sollte, der alleinige Inhaber und Designer der T-Shirts vom Vortag ist. Mit ihm und seinem Bruder im Gespann ging es weiter auf Hauptstrassen die so groß und dicht befahren waren dass ich dachte: ‘Das kann nicht gut gehen.’ Doch es wurde gut.

Nach gut 20 min wilder Fahrt durch eine der größten Städte Indonesiens kamen wir an. Das “Makassar English Café” kurz MEC. Sofort bildete sich eine kleine Menschentraube um uns und noch mehr Menschen kamen aus dem Café. Wollten sie doch sehen was da ab geht… Wir wurden auf freundlichste Weise empfangen, herein gebeten und sofort mit Kaffee versorgt. Es war ein verdammt guter Kaffee!! Nach weiteren unzähligen Bildern setzten wir uns, es wurde ruhiger und wir wurden aufgeklärt. “Bei dem English Café“ begann einer der Jungs, “handelt es sich um einen Treffpunkt für alle Menschen die Wollen – egal welche Religion, egal welches Geschlecht. Hier sprechen wir dann – debattieren über Themen und das eben in Englisch. Wir glauben dass unsere Chancen in der Welt einen Weg zu finden dadurch steigen, und da unser Schulsystem nicht besonders gut ist haben wir beschlossen unser Sprachwissen selbst in die Hand zu nehmen.“

Wir waren baff. Das ist mal eine Einstellung! Nicht zu vergleichen mit unserer “Jugend”…

Es wurden allerlei Informationen über unserer beiden, doch sehr unterschiedlichen Länder ausgetauscht. Dabei kamen wir dann auch irgendwann auf die Musik zu sprechen. Bebhen erzählte mir dass er eine kleines Homerecording Studio betreibt und zudem freiberuflicher Fotograf ist. Unter anderem schon als Konzertfotograf für „Mr. Big“ gearbeitet hat, sein aktuelles Projekt jedoch das Mischen der ersten Platte von der Band „Speed Instinct“ sei die, wär hätte das gedacht, natürlich zum Teil auch anwesend waren… Da ich auch reichlich Musik mache gab es nun noch viel mehr zum Erzählen, und so verging die Zeit mit allerlei lustigen und neuen Geschichten… Sarah tauschte sich mit ein paar Mädchen, die sich irgendwann heimlich und leise neben sie gesetzt haben, aus und so saßen wir zusammen und tratschten bei leckerem Kaffee.

Zu guter letzt wurden wir noch zig Mal fotografiert und für den nächsten Tag zu einem Konzert von “Speed Instinct” eingeladen. Aw bot uns ausserdem an uns am nächsten Morgen Makassar zu zeigen – er möchte unser Guide sein – der Komiker… Überhaupt muss ich an dieser Stelle sagen dass die Indonesier ein unglaublich lustiges und fröhliches Volk sind, die wahnsinnig viel und gerne lachen und mindestens genauso oft Witze übereinander machen.

Wir luden unsere beiden Fahrer und die beiden Brüder der Hinfahrt noch ganz westlich zu Mac Donald’s ein und vielen dann, von so viel grinsen und knipsen, todmüde ins Bett. In einigen Stunden würde Aw vor dem Hotel stehen und vor Enthusiasmus sprühen. Wir vielen allerdings in einen unruhigen Schlaf…

In Anzughose und Hemd stand Aw vor uns – er hatte sogar einen Fahrer organisiert. “I’m your guide for today…!“ grinste er uns über beide Backen an.
Wir machten uns auf, bei 35 Grad im Schatten, Makassar zu erkunden. Erster Punkt auf seiner Liste: “Fort Rotterdam”. Noch aus der Kolonialzeit der Holländer ist es zwischenzeitig zum Touristenmagnet geworden, am heutigen Tag diente es jedoch als Englischsprachschule für unzählige, motivierte Schüler.

Im Fort saßen überall kleine und große Gruppen im Schatten und diskutierten allerlei Themen durch. Wieder einmal stand kurzzeitig alles still als wir eintrafen, wieder machte einer den Anfang und wieder ging dann die Party los. Ich wurde für ein Interview heran gebeten und Aw nutzte die Zeit um sich mit seinem Fahrer für 20 min zum Mittagsgebet zu verabschieden. Als er wieder eintraf saßen wir mit min 10 Jugendlichen im Schatten und unterhielten uns über die Bundesliga. “FC Bayern? Bleib mir fern Junge….“ Wieder gab es viel zu lachen, doch es war bereits Mittag und unsere Mägen knurrten. Wir verliessen das Fort.

Nach einem kurzen Mittagessen liefen wir an der Promenade auf und ab, mussten dann aber auf Grund der erneut kurzen und anstrengenden Nacht den Ausflug vorzeitig beenden. Wir waren sowas von platt und die 35 Grad gaben uns zudem noch den Rest. Ausserdem stand ja am Abend noch ein Rockkonzert an, also zurück ins Istana, Klimaanlage an und versuchen ein wenig zu pennen.

Abrar und Bebhen holten uns wieder mit ihren Rollern ab, und wir fuhren zu einem alten Universitätsgelände. Dort war bereits eine recht große Bühne aufgebaut und “Speed Instinct“ würden an einem Bandcontest teilnehmen. Ich wurde vom Veranstalter persönlich mit einem Getränkegutschein begrüßt und gönnte mir davon einen Tee. Auch der Moderator des Contests konnte es nicht lassen das “weisse lange Alien” kurz zu begrüssen und stieg von der Bühne.  “Mensch, das gibt’s doch gar nicht – für was denn überhaupt…?“

Die Jungs um Frontmann Leo zogen ein ordentliches Programm von 30 min runter und wir feierten sie gebührend. Im Anschluss spielte dann noch die Konkurrenz, von denen ehrlich gesagt alle „etwas hatten“, doch der Gewinner stand an diesem Abend noch nicht fest -  es war eine von vielen Runden im Wettbewerb. Gegen 22 Uhr war dann der Abend beendet und wir tuckerten auf dem Weg zurück zum Hotel noch an einem “Warung” vorbei um ein bisschen Mi Goreng zu futtern.

Noch zu erwähnen ist dass es bei keinem der besuchten Orten auch nur einen tropfen Alkohol gab, was wir erstaunlicherweise als sehr angenehm empfanden! Verzichten möchte auf den kühlen Gerstensaft aber trotzdem nicht…!

Nun war es also Sonntag Abend und wir saßen nach einem weiteren kurzen Fotoshooting in der Hotellobby (dieses Mal sogar mit Sarah) im Zimmer und sahen uns an. „Unglaublich!” war dann allerdings alles was noch von Sarah kam…
Wir beschlossen bereits Tags zuvor am Montag abzureisen um in den Süden von Sulawesi vorzustoßen. Es kostete noch etwas Nerv den richtigen Abfahrtsort der Transportmöglichkeiten zu finden, doch auch das lernt man irgendwann mit der Zeit: Die Kommunikation mit Hand und Fuß.

Nach 5 1/2 Stunden erneut wilder Fahrt, mit einem hin und wieder wegnickenden Fahrer, kamen wir in Jordan’s kleinem Paradies an:

Cosmos Bungalows, Bara Beach, Sulawesi, Indonesien.

3 Kommentare on "Makassar – Courage. Action. Change"

  • Hallo ihr zwei,
    lange nichts mehr gelesen von euch …alles ok?
    Liebe Grüße
    Dietmar

    • Sarah

      Hallo Dietmar,
      bei uns ist alles bestens. Sind seit 1,5 Wochen in Malaysia und Städte haben es leider so an sich das man nur schwer ruhige Momente findet. Aber Neues folgt ASAP ;-). Liebste Grüsse

  • “Aber hallo” nun erlebt ihr ja ein richtiges Kontrastprogramm zu dem was teilweise bisher, insbesondere in NZ abgelaufen ist. Klingt ja richtig aufregend und macht sicherlich jede Menge Spaß, kann ich mir vorstellen. Weitermachen und genießen!!!
    P.S. im Moment kann ich auch mit 32 Grad im Schatten aufwarten, mal sehen wie lange das anhält ;-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>