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Ben

Lombok – Die Insel der Hunde

Touristen? Eher weniger. Strassenverhältnisse? Erstaunlicherweise sehr gut.
Keine Schlaglöcher, wenig Verkehr und wir kamen schnell voran.
Operation: Visaverlängerung kann beginnen! Codewort: Jerry!

Die Überfahrt von Bali nach Lombok verlief ohne grössere Zwischenfälle. Keine Löcher im Schiff, kein Ausfall der Motoren (4 Stück an der Zahl – falls mal einer streikt) keine Notrufe. Alles lief nach Plan. Konstantin und Tony, unsere neuen Mitreisenden, verbrachten die meiste Zeit auf Deck während Sarah und Ich ein kleines Nickerchen im Inneren des Schnellboots machten.

Die Nacht zuvor hatten uns 4 wildgewordene Halbstarkaustralier im Hostel in Kuta auf Trapp gehalten – uns jeglichen Schlaf geraubt. Wie eine Affenherde sind sie ab halb 4 Uhr morgens brüllend durch die Gänge gerannt. Nun, man kann auch von Tieren nicht erwarten dass sie wissen was Anstand ist – sie leben eben nach Instinkt. „ICH LEG EUCH ALLE FLACH!!!“ Ja, das tust du – ein Traum! Ich dachte mir:  Hoffentlich vermehrst du dich dabei nicht…

Und so kamen wir leicht zermatscht auf Lombok an – man ist eben keine 22 mehr und steckt das mal eben locker weg… Nach kurzen aber intensiven Verhandlungen stand dann auch der Fahrer für die knapp 1,5 stündige Fahrt in den Süden der Insel fest. Am Tag zuvor hatten wir noch kurzfristig eine Unterkunft gebucht. In Kuta, Lombok – wieder Kuta…. Unterkunft: “G’day Inn“ – wieder Australien. Ohjeee!

Aber es kam ganz anders. Kuta war zwar etwas touristisch und es gab Restaurants sowie Geldautomaten, jedoch lange nicht das mit was wir gerechnet hatten. Das G’day Inn glänzte mit einer Dame an der Rezeption die kein Wort verstand von dem was wir sagten und der Haus-Hundewelpe begrüsste uns mit einem Flozirkus.

Wir beschlossen keine Zeit zu verlieren und möglichst schnell einen Agenten mit der Visumverlängerung zu beauftragen. So würden wir zwar das 3fache für die besagte Verlängerung zahlen, müssten aber auch nicht 3x persönlich im Konsulat in der Hauptstadt zu Lombok antanzen. Gesagt getan – unser Auge viel auf eine „Touristeninformation” genau gegenüber des G’Day Inns. Dort lebte also Jerry. Er nahm sich, trotz heftiger Zahnschmerzen im Backenbereich, unsereins an. Nach allerlei Papierkram, einiger Verhandlungen und einem Geschenk an Ihn in Form von Aspirin plus C waren unsere Reisepässe auf seinem Tisch – jeweils 700,000 Rph in ihnen steckend. Irgendwie sah das aus wie an der Grenze zu Nordkorea… Er nahm sie an sich und hinweg flog unsere Existenz. Ein komisches Gefühl. Man gibt dann doch ein Stück von sich selbst auf…

Nun würde es, da Samstag war, bis Mittwoch dauern bis wir diese auf dem Konsulat in Mataram abholen können. Dies muss mittlerweile persönlich geschehen, da Fingerabdrücke genommen werden sowie ein Portait geschossen wird. Wir hatten also mehr als genug Zeit die Örtlichkeiten genauer unter die Lupe zu nehmen. Lombok hat, wie bereits erwähnt, noch lange nicht den touristischen Überfall erlebt wie sein Nachbar Bali. Alles ist noch ziemlich natürlich.

Am Strand von Kuta gibt es zudem eine Hand voll Strandbars die ab Sonnenuntergang mit Live-Musik und Drinks zum ausklingen des Tages einladen. Und natürlich die Kinderbanden die einem keine Ruhe lassen! Hierbei geht es um den Verkauf von Armbändchen. Grosse, kleine, einfarbige und bunte – schöne und hässliche. Die Kinder, meist im Alter zwischen 6 und 10 Jahren, werden von den Eltern losgeschickt um die Bändchen an die Touristen zu verticken. Meist mit Erfolg! Wir trafen wieder auf Stefan aus Deutschland, Corinna aus der Schweiz und Femke aus Holland, die wir in Ubud kennengelernt hatten und mit denen wir uns für die “Gilis” verabredet hatten. Sie kauften für 100,000 Rph gleich das komplette Brett und hatten somit erstmal ausgesorgt wenn es um Bändchen ging.

In einer dieser Bars treff ich auf Tony. Tony ist 9 Jahre und hat dich Nachtschicht. Er setzt sich zu mir und wir beginnen uns ein wenig zu unterhalten. Es ist unglaublich was die jungen Kinder für ein English sprechen – da kann so manch einer einpacken. Er erzählt mir dass er um 21 Uhr seine Schicht beginnt und um 5 Uhr Ende hat. Ausser er bringt 30,000 Rph (ca. 2 Euro) dann darf er sofort nach Hause kommen, andernfalls wird die Mutter böse. Zwar wäre um 8 Uhr dann Zeit für Schule, jedoch ist er immer so müde dass er nicht geht, sagte er. Er muss schlafen, um fit zu sein für die nächste Nachtschicht. Ich lass das nun mal so stehen und äussere mich nicht weiter dazu. Wie auch?

Nächsten Tages mieten wir wieder Roller. Jerry hatte da was klar gemacht – “aber keinem den Preis verraten“ sagte er – daran halten wir uns Jerry!! Wir machen uns auf die Umgebung zu entdecken. Traumhafte Buchten und dichter Wald erwarten uns zwischen kleinen Dörfern in denen Stein mit dem Hammer, von Hand, zerschlagen wird um Pulver zu erstellen. Dieses wiederum mit Wasser gemischt ergibt den Bestandteil zum Häuser bauen. Die Menschen sehen müde und zerbrechlich aus – aber sie lachen und freuen sich als wir vorbei fahren. Wir kaufen Ananas die so lecker schmeckt dass man es kaum beschreiben kann, wir kletterten in Höhlen mit zigtausenden Fledermäusen und Schlangen dass uns fast übel wird, ich spiele mit einheimischen Jugendlichen Fussball am Strand und stelle mich dabei gar nicht soo schlecht an – auch wenn meine Pumpe schon bessere Tage gesehen hat – wir fahren durch strömenden Regen zurück. Alles um „dem Leben“ ein Stück näher zu kommen.

Und alles und jede unserer Taten werden begleitet von Hunden. Hunderte Hunde. Überall sind sie. Auch wenn ich jeden einzelnen von ihnen über alles lieb habe so muss auch ich ihnen mit Respekt gegenübertreten. Denn man weiß nie was sie gerade umtreibt. Manche sind wohlgenährt da sie sich im täglichen Kampf anscheinend gut behaupten können, andere haben komplett zerbissene und offene Rücken dass man die Knochen der Wirbelsäule sehen kann – es ist der harte Kampf um’s tägliche Stückchen Nahrung. Und die Kämpfe sind hart!

Die Zeit vergeht trotz Durchfallerkrankung schnell und es ist auch schon wieder Mittwoch. Jerry hat da wieder was klar gemacht und so bekommen wir den Transport zum Konsulat mit seinem Warten vor Ort und anschliessender Fähre ins Paradies zu einem anscheinend relativ guten Preis. Gesagt getan und wir halten Mittwochs um 12:15 Uhr unsere Pässe mit dem Visastempel für weitere 30 Tage Indonesien in unseren Händen. Na also, war doch ganz einfach!! :)

Wir setzen uns wieder zu Jerry ins Fahrzeug und lassen uns an den Hafen im Norden bringen. Das Paradies ist zum Greifen nahe. Gili Islands nennt es sich. Eine kleine Inselgruppe vor Lombok. „Ey, das Touristenschnellboot ist bereits weg – ihr fahrt mit dem Einheimischenboot rüber – ihr habt zu viel bezahlt!“ Yep Jerry, guter Mann!! Aber alles halb so wild, denn wir können das türkisfarben schimmernde Wasser bereits sehen… “Los, verladet noch schnell die 15 Kisten Marlboro Lights und dann schmeisst den Motor an!!”

„Motoren laufen, Leinen los, alle an Bord? Und los!“

Terimakasih Lombok!

1 Kommentar on "Lombok – Die Insel der Hunde"

  • Jede Menge Hunde, die nicht mal beißen, ungezügelte Australier, interessante Abwickung der Visa, Durchfallerkrankung, Fußball, wilde Bootsfahrten usw. Ich glaube langweilig wird euch wohl nicht werden, aber so soll es sein, wenn man auf “Abenteuerreise” ist. So soll es auch weitergehen und das ohne Komplikationen!! Habt viel Spaß und passt auf euch auf!
    Eure Berichte machen richtig Laune und ich freue mich auf jeden neuen den ihr ins Netz stellt!

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