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Bali – Die Insel der Götter

Nach der noch tief in den Knochen sitzenden Kälte Neuseelands traf uns die Hitze und Luftfeuchtigkeit Balis wie ein Schlag ins Gesicht.

Am Flughafen angekommen und mit einem Gepäckwagen bewaffnet stürzten wir uns ins Gewimmel. Ben, der den Wagen selbstsicher schob, wurde als Rudelführer entlarvt und ein mächtiger Schwarm Taxifahrer verfolgte ihn wie die Motten das Licht. Ungewohnt und nervenzehrend. Nachdem wir ewig nach den “offiziellen” Taxis mit Taxameter suchten bemerkten wir das ich den Zettel mit der Adresse unseres Hostels verlegt hatte und Ben nicht die komplette Adresse mit dem Handy abfotografiert hatte. Ja, in solchen Situationen könnte man wirklich die Nerven verlieren. Zum Glück fand ich letztendlich doch noch den Wisch.

Angekommen im Hostel und eingecheckt machten wir uns gleich auf den Weg Kuta, Bali, Indonesien, Asien ein wenig zu erkunden und einen Blick an den Strand zu wagen. Wie wir vor der Abreise erfahren hatten ist Bali das Lloret de Mar der Australier und wahrlich hier sind wir angekommen. Aus allen Ecken dröhnte laute Musik (Stand 90er Jahre), die Strassen waren überfüllt mit wütigen Partyanimals, fliegenden Händlern und reichlich Drogenangeboten. Zudem kommt es schon mal vor, dass ein Lady Boy vom Roller hüpft um (in diesem Fall Ben) an den Hintern bzw. nach dem Geldbeutel zu grabschen. Allgemein ist in Kuta Vorsicht vor Taschendieben geboten! Aber wie will man es den armen Menschen auch verübeln wenn sie dem betrunkenen Partyfolk ein paar Rupiah aus den Taschen ziehen um ihre Familien zu ernähren.

Wir sind nun endlich in einer anderen, neuartigen Kultur gelandet und auch wenn es teilweise etwas stressig ist, ist es absolut fantastisch. Auf Bali leben Hinduisten und Muslime gemeinsam nebeneinander. Neben Tempeln an jeder Ecke erdröhnt aus den Moscheen Gebetsgesang. Jeden Morgen werden die Opfergaben genannt “Canang” vor dem Laden, auf dem Roller, im Auto positioniert. Der hinduistische Glauben stellt sich jedoch auch etwas problematisch dar, da man hier nicht nur an die guten sondern auch an die bösen Götter und Geister glaubt. Rituale werden somit oft zu einem alltäglichen Zwang und trotz verbot müssen auch die ein oder anderen Blutopfer (in Form von Hahnenkämpfen) erbracht werden. Die Menschen haben trotz boomenden Tourismus nicht viel, aber sie haben, so gut wie, immer ein Lächeln für dich übrig. Auch wenn sie dich “abzocken” wollen, geschieht dies oft mit soviel Witz und Charme dass man gerne ein wenig mehr bezahlt.

Nach ein paar Tagen in Kuta beschlossen wir erst mal in den Süden Balis zu fahren. Taxifahren (mit den offiziellen Bluebirdtaxis) ist nicht sehr teuer, doch wenn man sonst von A nach B kommen möchte ist ein Auto mit Privatfahrer meistens die günstigste Variante. Unser Fahrer brachte uns nach Balangan.

Dort erwartete uns vier erst mal für 6 Tage ein zweistöckiges Bungalow in einem wunderschönen Resort in direkter Strandnähe. Erst mal Runterkommen war die Devise. Unser Bad befand sich halb überdacht im freien und die Dusche bestand aus zwei Bambusrohren aus denen ein Wasserstrahl floss. Traumhaft schön. Wäre da nicht der Hund gewesen der ununterbrochen bellte (nach einigen Beschwerden verschiedenster Gäste nicht mehr – wahrscheinlich gab es ab dato Valium für ihn zum Frühstück) und die nervigen Hähne in unmittelbarer Nähe für die, die richtige Zeit die halbe Nacht war. Balangan bietet einen der besten Surfspots Balis, einen schönen Strand mit netten einheimischen Restaurants und natürlich einem unglaublichen Sonnenuntergang. Fast jede Nacht sieht man am Horizont zahlreiche Fischerboote leuchten und mit ihnen die Gewitter um Bali – die Götter mögen verrückt sein.

Am dritten Tag liehen wir uns zum ersten Mal Roller um uns den Tempel “Ulu Watu” anzusehen. Der Tempel an sich hat uns nicht wirklich umgehauen aber dafür war der Ausblick von seinen Mauern umwerfend. Trotz diverser Warnungen zum Thema Affen, vergassen wir beim Anblick der kleinen Affenfamilie das Abnehmen der Sonnenbrillen und schwups war Tonys Brille weg. Von ihr ist auch nicht viel übrig geblieben, komplett zernagt und ohne Gläser bekam er sie wenig später von einem Angestellten der Tempelanlage zurück. Also: unterschätze nie einen Affen! Wenn er auch noch so süß und lieb aussehen mag.

Nach einem weiteren, kurzen Aufenthalt in Kuta ging es dann weiter nach Ubud, eines der kulturellen Zentren Balis. Es hat schon was, so zwischen Reisfeldern und Dschungel. Die Strassen sind überdacht mit Lianen, an jeder Ecke findet sich ein schöner Gebetstempel und in Stein geschlagene Statuen. Es gibt viele kleine Cafes und Restaurant, kleine Shops mit ab und an auch wirklich schönen und besonderen Dingen zu kaufen. Ansonsten gleicht auf Bali leider ein Laden oder Markt dem anderen und alle verkaufen das gleiche, was sehr schade ist. “Bintang” T-Shirts, hölzerne Penise für die Potenz und haufenweise billig gefertigte Sarongs.

Auch in Ubud beschlossen wir uns einen Roller für einen Tag zu mieten, doch dieses mal kam alles anders als geplant. Der ursprüngliche Plan war es uns die berühmten Reiseterrassen anzusehen, dann weiter zum Batur Vulkansee um anschliessend den Muttertempel der Insel zu besichtigen. Nach einer halbstündigen Fahrt sprach uns, neben uns auf dem Roller, ganz aufgeregt ein Einheimischer an. Er erzählte uns was von korrupter Polizei und er möchte uns doch an irgendeinen Ort für 20 Minuten bringen um zu warten. Er betonte so oft dass er kein Guide ist und kein Geld möchte, dass wir irgendwann sehr misstrauisch wurden und versuchten ihn wieder irgendwie von der Backe zu bekommen. Wir fragten bei vorüberfahrenden Franzosen nach ob sie was von Polizei wüssten und sie verneinten. Sie haben mit anderen Einheimischen gesprochen und die teilten mit das sei alles Käse… So machten wir dem Typen sehr ernst klar er solle uns doch nun bitte in Ruhe lassen. Wir fuhren weiter. Nach 10 Minuten, oh scheisse – ja da standen die Herren. Unser Glück: sie waren gerade so mit den Franzosen beschäftigt dass Ben einfach Gas gab als sie versuchten auch uns rauszuwinken. Super hat funktioniert, hätten wir nicht gleich darauf erfahren das 500 m weiter nochmal korrupte Bullen stehen. Da standen wir, hinter uns Polizei, vor uns Polizei und nun!?!? Das Glück sollte uns treu bleiben und ein junger und sehr netter Einheimischer namens Harry, mit seiner schwangeren Frau auf dem Roller, blieb stehen. Er wollte uns helfen, denn er ist der Meinung dass die korrupte Polizei für schlechtes Karma auf Bali sorgt und er möchte dass sein Kind mit gutem Karma zur Welt kommt. Und so fuhren wir irgendwo durchs nirgendwo, auf geheimen Schleichwegen, an der Polizei vorbei. Wir erfuhren dass die Polizei die Einheimischen nach einem internationalen Führerschein fragt und die Touristen nach einem Indonesischem. Gar nicht schlecht, somit gibt es immer einen Grund um zu kassieren. Uns hätte der Spass jedoch pro Person gut und gerne 100 US Dollar gekostet. An dieser Stelle: Danke!

Harry hatte es mit uns dann besonders gut gemeint und er führte uns in das Restaurant seines Onkels. Sehr schön mit direktem Blick auf den Vulkan im Norden. Dort gab es dann die teuerste Suppe die wir bisher in Indonesien gegessen hatten. Es ging weiter auf die Luwak Kaffeeplantage der Familie seiner Frau. Wir bekamen eine Führung mit anschliessender Kaffee- und Teeverkostung. Einen Katzenkackekaffee bestellten wir dann auch noch für 50.000 Rupiah – was sehr billig ist – nur ca. 3,50 Euro. Auf der Kaffeeplantage war selbstverständlich alles “pure organic“, was auch bei der Führung mehrfach betont wurde. Naja bis auf das Rösten der Bohnen, denn wie wir am Abend auf den Fotos festgestellt haben, wurde das Feuer mit dem verbrennen von Plastikflaschen erzeugt – hat was…. :) Es wurde Zeit lebe Wohl zu sagen um wenigsten noch einen Tempel zu besuchen, die Bilder habt ihr womöglich schon gesehen. Wir waren im “Tirta Empul – Holy Water Temple“. Hier gibt es eine heilige Quelle dessen Wasser sich in Vollmondnächten ganz besonders gesund auf Haut und Seele auswirken soll.

Doch auch die unangenehmen Pflichten holen einen auf Reisen immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In unserem Fall hieß diese: „Visaverlängerung“. Welch Alptraum! Der 1. Mai ist auch in Indonesien ein Feiertag und zudem wird am Wochenende im Immigrationsbüro selbstverständlich nicht gearbeitet. Eine Verlängerung beinhaltet dass man 3 Tage hintereinander im Office antanzen muss. Je nachdem wie viel los ist hat man dann zwischen 3 und 5 Tagen seinen Reisepass mit der erhofften Visaverlängerung zurück. Wir wollten aber auf gar keinen Fall nochmals eine Woche wertvolle Zeit in Kuta, Bali verschwenden und so beschlossen wir einstimmig weiter nach Lombok, eine benachbarte Insel, zu reisen.

Gut zu wissen:

Handeln, Handeln Handeln! Das hat uns wirklich schon einiges an Geld gespart. Zum Beispiel hätte uns der Transport von Bali nach Lombok mit Taxi und Schiff pro Person 600.000 Rupiah gekostet, gezahlt haben wir 250.000 pro Person. Das Boot fährt so oder so und 1.000 000 Rupiah ist für die Verhältnisse immer noch ein Haufen Geld.

Der Verkehr auf Bali ist wirklich sehr stressig und nichts für schwache Nerven. Wenn man einen Roller mieten möchte sollte man auf jeden Fall selbstsicher fahren. Ich war in diesem Fall Mitfahrerin. Kleines Achtung auch vor den zahlreichen Schlaglöchern sowie an grossen Kreuzungen – an diesen fährt oft jeder wie er gerade lustig ist.

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