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KIA ORA New Zealand

Jahrelang schaut man sich schöne Reportagen im Fernsehen von allerlei Ländern an und denkt sich: „Da möchte ich mal hin“. So ging es mir beispielsweise immer mit Neuseeland und unglaublich aber wahr, ich bin da!!! Am Flughafen begrüßte uns Gimli, der Zwerg aus Herr der Ringe, in Überlebensgröße. Das Klima fühlt sich angenehm europäisch an und die Hummeln fliegen durch die Gegend. Hab schon sehr lange keine mehr gesehen, über was man sich so alles freuen kann.
Im „Oaklands Lodge Backpacker“ angekommen erhielten wir auch gleich die erste positive Überraschung, wir bekamen ein Upgrade – ein Zweibettzimmer. Wir mussten also vorerst nicht im 8er Mehrbettzimmer schlafen.
Doch da wir ja noch nicht genau wussten wie es weiter gehen soll, ob Job, Wohnung, Auto, alles oder nichts, haben wir uns erst mal für 3 Wochen eingemietet. Um arbeiten zu können braucht man eine Steuernummer und ab der Beantragung  dauert dies ca. 2 Wochen.
Um etwas Geld zu sparen hat Benny für diesen Zeitraum einen Cleanerjob (auf Deutsch: Die Putze!) im Haus angenommen. 2 Std am Tag die Betten machen, abstauben, saugen… Dafür bekommt er seine Unterkunft umsonst. Ich bezahle 30$ die Nacht. Dank seines unglaublichen Verhandlungsgeschicks haben wir für die komplette Zeit ein Zweibettzimmer zugesagt bekommen.

Nach der ersten Woche waren wir dennoch ganz schön niedergeschlagen, denn wie sich herausstellte haben sich die Zeiten seit 2006 ziemlich verändert. Travel & Work, vor einigen Jahren noch ein funktionierendes System, heute ein riesen Business, in dem nicht wirklich noch Gehälter gezahlt werden. Wir haben das Gefühl die Neuseeländer sind auf den Geschmack gekommen. In den letzten Jahren hatte das Woofing (arbeiten auf Farmen für Unterkunft + Essen) enorm zugenommen, also warum noch Gehälter zahlen wenn die Leute es auch nahezu umsonst tun!? Damals waren es noch 4 Stunden tägliche Arbeit, heute sind es 6-8 und Essen musst du dir teilweise noch selbst besorgen. Bezahlte Jobs sind also ziemlich rar und aufgrund der zahlreichen Anfragen bekommt man auch oftmals keine E-Mail wenn es nicht geklappt hat – bei 90% der Bewerbungen der Fall. Die Folge: Die jungen Leute sitzen in irgendeinem Hostel fest, putzen für ihre Unterkunft und hoffen jeden Tag darauf endlich Arbeit zu finden. Das kann ziemlich deprimierend sein – man sieht es in ihren Gesichtern.

ZUDEM: Das Essen ist hier nicht gerade billig und die zahlreichen „kauf 2 für den Preis von 1“ Angebote gehen mir tierisch auf den Keks. Hier scheinen auch zwei große Einkaufsmärkte (Preisniveau Rewe) an der Macht zu sein, eine günstigere Alternative haben wir bisher noch nicht gefunden.
Der Wein ist hier teurer als in Australien, dafür das Bier wieder etwas billiger und wie wundervoll, das Mineralwasser enthält endlich wieder Mineralien.
Jedoch weiß der gewiefte Jäger wie er auch ohne Geld an Nahrung gelangen kann:
Einfach in der Hostelküche Ausschau halten. Dort werden täglich gute Lebensmittel zurückgelassen. Wir gehen sogar von der Möglichkeit als Backpacker von Hostel zu Hostel reisen zu können aus, ohne je Geld für Essen ausgeben zu müssen. Es bleibt immer etwas übrig, lediglich in der Zubereitung ist Kreativität gefragt.

Und was ist sonst noch passiert!?
Aktuell wohnen wir direkt neben dem Mount Eden, einer von 3 nicht mehr aktiven Vulkanen in Auckland. Wir haben ihn selbstverständlich schon bestiegen. Ein grüner Hügel mit super Ausblick auf die Stadt.

Valentinstag:
Wie schlimm kann eigentlich ein Tag beginnen!? Die erste Nachricht am frühen Morgen: „200 Wale auf der Südinsel bei Farewelll Spit gestrandet“. Scheisse! Und wir sitzen in Auckland fest! Wir haben innerhalb 30 Minuten alles abgecheckt. Wir haben versucht die „Whale Rescue“ zu erreichen, haben nach Flügen geschaut – wir müssten dann auch noch ein Auto mieten und wären ein paar Stunden unterwegs, egal. Haben einen deutschen Meeresbiologen in NZ angeschrieben und haben die Facebook-Seiten der Organisationen gecheckt. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch 70 Wale. Das Problem: bis wir bei Farewell Spit wären würde schon wieder die Abenddämmerung einsetzen und nachts ist es verboten zu helfen. 2 Stunden später erhielten wir dann die Nachricht: „Kommt nicht – es sind genügend freiwillige Helfer und Einheimische da – mehr können wir nicht tun – spart euch das Geld!“
Trotzdem. Von diesem Gefühl nichts tun zu können waren wir beide sehr getroffen. Zur falschen Zeit am falschen Ort, und welch Ironie des Lebens: „Farewell“ bedeutet „Lebewohl“.…
Dieser Tag war wirklich zum heulen.

Auckland:
Nach Sydney ist Auckland sehr überschaubar aber eine richtige Identität ist für uns noch nicht spürbar. Wir werden uns in den nächsten Tagen mal noch die kleineren Stadtteile sowie die Umgebung ansehen und uns weiter überraschen lassen. Der Bus in die Stadt ist, im Vergleich zu Australien, extrem günstig. Für gerade einmal 2 Dollar kommt man nahezu überall hin.

Was ich bisher jedoch als am Schönsten empfunden habe sind die Menschen die man in den Hostels trifft. Vor allem ihre Geschichten. So haben wir David (71 Jahre) aus Canada mit seiner Frau kennengelernt. Er beehrte uns mit vielen abenteuerlichen Geschichten aus seinem Leben. Als Mathematikprofessor in Canada und auf den Bermudas, als Theoretiker über negative Materie, als unglaublicher Pflanzen und Naturliebhaber. Und so lud er uns ein, ihn in seinem Paradiesgarten in Canada besuchen zu kommen. Hand drauf – wir kommen David! Was für ein wundervoller Mensch! Und überhaupt, unglaublich wie viele Menschen in seinem Alter noch Neuseeland bereisen und in Hostels nächtigen. Toll!!!

Aber auch unsere Reise muss früher oder später weitergehen, denn wir möchten nicht in einem Hostel stecken bleiben. Und so sind wir seit 3 Tagen stolze Besitzer unseres ersten gemeinsamen Autos. Hurra – es ist ein Family-Van!
Natürlich wollten wir unsere neu gewonnene Freiheit sofort ausnutzen und haben unseren ersten kleinen Ausflug an die Westküste gemacht. Nach Karekare, hier wurde der Film „Das Piano“ gedreht.
Ab durch den Dschungel und an den Strand. Wohlbemerkt an einen schwarzen Strand. Vulkansand wie uns David noch erklärt hatte. Wir mussten durch einen kleinen Ausläufer des Meeres laufen, also zogen wir die Schuhe aus. Die Sonne war hinter den Wolken und trotz einem Warnhinweis (Hot sand – wear shoes) der Lifeguards dachten wir: „Ach, so heiss wird das schon nicht werden“.
Ganz falsch gedacht! Nach etwa 200 Metern setzte plötzlich ein Schmerz ein. Ein unangenehm brennender Schmerz. Wir rannten die restlichen 50 Meter zum Meer, doch, zu spät! Brandblasen an den Unterseiten der Zehen! Aber komm, wie dumm kann man denn auch sein? Da haben wir in Australien jedes Schild mit Wahrhinweis tot ernst genommen, und jetzt fangen wir so an? Ich kannte schwarzen Sand von Teneriffa und wusste dass er heiß sein kann, aber sowas hab ich noch nie erlebt!

Doch die Schönheit der Natur ließ uns den Schmerz für eine Weile vergessen.
Wir haben uns lange darüber unterhalten. Dass man nicht wirklich Worte finden kann das alles zu beschreiben. Die Natur ist so mächtig, üppig und schön. Selbst Fotos können das Gefühl nicht rüber bringen was man empfindet wenn man vor diesen Bergen und Tälern steht und in die endlose Weite blickt. Und das schönste daran? Dass ist erst der Anfang, und ich weiß, hier werden wir noch unglaublicheres sehen!

Also. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten kommen wir langsam aber sicher in Neuseeland an. Und auch wenn es vielleicht nicht mit einem bezahlten Job für Benny klappen sollte, so haben wir zumindest die Möglichkeit unabhängig und mit unserem eigenen Auto eine komplett andere und neue Welt zu entdecken.

 

7 Kommentare on "KIA ORA New Zealand"

  • Hallo Sara ! Hallo unbekannter Benny !

    :-)

    schön zu lesen, Du schreibst gut.

    Danke dass Ihr uns teilhaben lasst an Eurer Neuen Welt.
    Hier beginnt der Frühling, die Sonne knallt, die ersten Blümchen leuchten,
    das Leben wird leichter, wenn die Sonne die Haut erwärmt.

    Ich wünsch Euch viel Freude und gute Gedanken.
    Liebe Grüße !

    • Sarah

      Hey Dietmar, schön von dir zu lesen und das freut uns ;-). Bei uns geht es nun langsam aber sicher in den Herbst und die Abende sind frisch. Genieße den Frühling in vollen Zügen und tank ein wenig Sonne, der Winter war lang genug! Liebste Grüße von uns beiden und wir lesen voneinader

  • Hallo ihr Beiden,
    freut mich dass der Start in NZ rel. gut geklappt hat.
    Die Sache mit den Walen ist nicht schön, aber so ist halt nun mal die Natur und wir werden daran nur begingt was ändern können.
    Dass ihr nicht “verhungert” ist schon mal positiv zu werten und dass in NZ noch viele “Oldies” unterwegs sind auch. Da nehme ich mal als Ansporn!!
    Ich hoffe wir bekommen noch viele Bilder, von der “nur schwer zu beschreibenden Gegend”, von Euch.
    Wenn dann denn der Family-Van das hält was ihr von ihm erwartet, dann ist zumindest die logistische Grundlage für das “Fotoshooting” gegeben.
    Wie gut dass es das Internet gibt, für “so ein dabei sein” auf eurem Trip, ist einfach toll!!.
    Viel Spaß und bleibt gesund und fit!!

    • Sarah

      Ja, nun sind schon wieder fast 4 Wochen in einem neuen Land vergangen, wir sind noch nicht verhungert und mit dem Auto zufrieden. Haben gerade neue Bilder hochgestellt, natürlich immer nur die schönsten ;-). Freut uns sehr das wir so tolle Leser haben!
      Ist ja nicht mehr lange bis zum verdienten Ruhestand, da kann man schon mal anfangen ein paar Pläne zu schmieden ;-). Liebste Grüße vom anderen Ende

  • Hey ihr 2, da wird man ja (abgesehen von Unterkunft und Essen) mal richtig neidisch. Weiter so und bitte jede Menge weiterer interessanter Berichte, THX.

  • Hallo meine Süßen,
    kann mich gar nicht “satt lesen”, was Ihr so zu berichten habt. Und das mit den Walen hat mich ebenfalls sehr betroffen gemacht. Es wurde auch in Deutschland viel darüber berichtet.
    Wünsche Euch weiterhin alles Gute, viel Glück bei der Jobsuche, drück’ Euch ganz feste und viel Spaß mit Eurem Auto.
    Eure Blausteiner Göttin

    • Sarah

      Liebste Uschi,
      aktuell sind wir wieder in Auckland und hatten eine tolle Woche im hohen Norden, Bilder sind nun online, der Bericht folgt. Wir haben beschlossen uns nun erstmal die Nordinsel anzusehen und dann gehen wir auf die Südinsel. Sofern es noch mit einem Job klappen sollte wäre es gut, wenn nicht dann fliegen wir in guten zwei Monaten weiter. Man nimmt eben jeden Tag wie er kommt und macht das Beste draus ;-). Ach ja und irgendwie macht Reisen echt faul :-).
      Nun steht bei euch ja endlich der Frühling vor der Türe, genieße die Sonne, schmiede neue Urlaubspläne und lass es dir gut gehen. Wir drücken dich :-) und fettes Bussal von mir :-*

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