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Ben

Findet Nemo – (k)ein normaler Tag am Riff

Ok, dann sind wir also mal so richtige Kampftouristen!

8:30 Uhr
Wir springen mit 39 anderen riffwütigen Franzosen, Australiern, Deutschen, Holländern, Amerikanern und Engländern auf ein Boot, ein altes Boot, mit ganz viel Geschichte, die es zu erzählen gilt. „Built in 1946 straight after WW2 in Tasmania and so on…  bla bla bla“
Mhh, für nen ordentlichen WW3 wären sogar fast alle Nationen vorhanden?! Das muss Schicksal sein! Also, perfekte Voraussetzungen für einen erfolgreichen Tag am Great Barrier Reef!

Mein Kopf hat bereits abgeschaltet als wir den Hafen von Airlie Beach verlassen und durch das türkisblaue Wasser in Richtung  Korallenriff fahren. Keine WW2 Geschichten mehr, keine Gedanken an unsere kaputte Klimaanlage im Camper! („Ohje, ihr mietet einen Hippie Camper!“ hatte Udo noch gesagt, schießt mir durch den Kopf…)

9:00 Uhr
Der Motor der Derwent Hunter gibt 100% – doch nicht mehr lange – denn dann müssen wir selbst Hand anlegen und eines der beiden Hauptsegel hissen. Sind ja hier nicht auf nem Ponyhof! Nicht genug dass wir 360AU$ für den Tagestripp mit Schnorcheln und Lunch gezahlt haben – ich soll hier auch noch was arbeiten!!! UND ICH MACH ES AUCH NOCH FREIWILLIG ALS SIE DIE ERSTEN 4 DEPPEN SUCHEN!!!! Also irgendwie muss ich mich doch über mich selbst wundern… Gott sei Dank bin ich nicht alleine! Meine Frau steht mir mit helfender Hand zur Seite!
Hauptsegel steht!!! Job‘s done!!! Geil!!!
Die Deutschen gehen mit vollem Einsatz vorweg – während die Engländer auf dem Vorderdeck am Bräunen sind. Ich wunder mich wieder über mich selbst…. Irgendwie stimmen meine Prioritäten einfach noch nicht recht….

10:00 Uhr
Es ist alles angerichtet – es gibt kühle Drinks, die es natürlich zu zahlen gilt, Kaffee und Tee – die Kekse sind richtig lecker! Oder nur weil sie umsonst sind? Nein! Sie sind es wirklich!

11:00 Uhr
Erster Schnorchelspot! Wir bekommen schwarze Neoprenanzüge da wir 2 Unwissenden natürlich, wie bereits letztens beschrieben, in der „Marine Stinger Saison“ gebucht haben. Bedeutet: Neoprenanzug oder Risiko auf Tanz mit Qualle. Ziemlich sicher Kampf verlieren. Ins Krankenhaus oder  möglicherweise gleich Riff von unten bestaunen. Die Entscheidung fällt leicht, trotz 40 Grad. Also SUIT UP! Ab ins Schlauchboot und an den Strand.

11:30 Uhr
Wir trauen unseren Augen nicht! Was wir da sehen ist einfach unglaublich!!! Wir sehen: NICHTS!
Oh doch, wart mal – da hinten ist was! Ein paar Korallen. Eine Anne Ann Anne-muuune. Ein paar Fische. Die Zeichensprache im Wasser ist gleichzusetzen mit: „Also im Fernseher sah das doch alles bisher immer irgendwie etwas schöner aus, und bunter, und vor allem mehr von allem!! Und was sind das da für Löcher mit irgendwelchen weißgrauen Überresten!?“ Liegt wohl dann doch daran dass es täglich 100te Kampftouristen sind die hierher gekarrt werden und nicht nur wir 2…. Aber weniger werden es halt auch nicht? Komische Gleichung. Ein paar schöne Fische und die ein oder andere Korallenschönheit hat sich das Riff für uns aber noch aufgehoben! Das macht uns glücklich!
Wir besteigen wieder das Schlauchboot und klettern auf die Derwent Hunter!

12:30 Uhr
Schnorchelspot Nummer 2.
“Turtles love this spot around here“ brüllt unser Skipper. Na dann…! Ich hatte eigentlich eher mit LUNCH gerechnet – mein Magen auch. Aber stattdessen hieß es nochmal: „SUIT UP“ und ab ins Boot. Leicht knurrig auf Grund meines Hungers ging es an den Strand. Ich wurde für meine Geduld auf den Lunch belohnt. Keine 5 Min. im Wasser und ich sah die erste Schildkröte – doch nicht lange!
Denn 30 Schlauchmänner und Frauen stürzten sich mit GoPros und Selfiesticks bewaffnet auf das Tier. Es herrscht Krieg! WW3! Alle wollen nach vorn! Vergessen sind die Anweisungen der Mannschaft:
„Please don’t touch em!“ – Batz – angefasst!
„Please respect their lifes!“ – Batz – Gesicht neben die Schildkröte gepresst und Selfie geschossen.

Hier kam dann wohl kurz in mir der neutrale Schweizer raus. Ich musste einfach den Schauplatz verlassen. Ich nehm meine Frau an die Hand. Irgendwo anders hin aber weg von dieser Orgie. Und keine 15 Meter weiter rechts? Was smootht da gemächlich in meine Richtung? Unglaublich!!
DA IST DAS DING!! DEUTSCHLAND IST WELTMEISTER!! EINE SCHILDKRÖTE!!!!!!! UND WIE SCHÖN!!!

Hierbei sind die Bilder entstanden. Und wer hat sie geschossen? Nicht etwa meine eigene Unterwasserkamera (die ich mit einem leeren Akku mitgenommen hatte – wieder ein typischer „Super Benny“…) sondern die von einer Amerikanerin. Es geht also doch – wir haben uns blind verstanden! God save America!

13:30 Uhr
Lunchtime!!
Als wir wieder zurück an Bord der Hunter sind gibt es dann endlich was Ordentliches zu beißen.  Es hätte WW4 ausbrechen können! Doch die „Deckhand“ ist gewitzt und weiß die brodelnde Situation unter Kontrolle zu bringen: „Please queue. Women and children first!“
Und die erste Person am Buffet?? Ein Franzose! Na das ja hat geklappt…
„Er hat es glaub nicht verstanden…“ flüstern die Engländerinnen. Ich glaub kein Wort…

15:00 Uhr
Wir hissen ein letztes Mal die Segel und machen uns mit gerade mal gefühlten 5 Knoten auf in Richtung Heimathafen. Die Kühltruhe mit dem Bier und Wein wird geöffnet! Die große Stunde der Engländer hat geschlagen! Die dritte Halbzeit der Kreisliga Bier wird angepfiffen! Das Vorderdeck wird zur Wiesn. Stört mich überhaupt nicht. Ich hab Zeit, und Geduld!
Und was machen eigentlich die Holländer? Die versuchen noch immer verzweifelt sich an jedes Paar Brüste ranzumachen – ohne sichtbaren Yardsgewinn. Eine Schande ist das!

Und Wir? Wir wollen an dieser Stelle nur noch eines loswerden!

PLEASE RESPECT OUR NATURE!!

DANKE!!

 

Funfact:
Weiß wer warum Schildkröten, genau wie Koalas übrigens, den Großteil des Tages total stoned sind? Ich teile mein neu erlangtes Wissen! :)

Bei den Koalas ist es der giftige Eukalyptus aus dem sie versuchen die Nährstoffe zu filtern – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Das kostet Energie und verballert komplett.

Bei den Schildkröten ist es auch die Nahrung! Sie fressen die giftigen Quallen, wie aufopferungsvoll sie doch sind, und das macht sie so „high“ dass sie immer nur mit halb geöffneten Augen durchs Wasser gleiten. Was für Tiere! :)

12 Kommentare on "Findet Nemo – (k)ein normaler Tag am Riff"

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